LJR VwV

2. Förderung der Jugenderholung

Das Land fördert die Jugenderholung durch Gewährung von Zuwendungen für Jugenderholungsmaßnahmen. Jugenderholungsmaßnahmen sind Erholungsaufenthalte in Gruppen mit pädagogischer Betreuung, bei denen der Erholungsaspekt im Vordergrund steht.

Kommentierung

Nach § 11 SGB VIII gehört Kinder- und Jugenderholung zu den Schwerpunkten der Kinder- und Jugendarbeit. Jugenderholung im Sinne dieser Verwaltungsvorschrift ist:

  • Mindestens vier ganze, zusammenhängende, Tage
  • Eine Übernachtung ist nicht zwingend erforderlich.
  • Mindestens 5 Teilnehmer*innen
  • Im Veranstaltungsjahr mindestens sechs Jahre und max. 27 Jahre alt werden. (Jahrgang)
  • Der Erholungsaspekt bestimmt das Programm der Gruppenaktivität.
  • Die Gruppe wird pädagogisch betreut.

Familienfreizeiten sind nicht förderfähig, auch wenn für die Kinder/Jugendlichen ein separates Programm angeboten wird.

2.1 Förderung von Jugenderholungsmaßnahmen

2.1.1 Die Förderung von Jugenderholungsmaßnahmen anerkannter freier Träger der außerschulischen Jugendbildung erfolgt auf Basis des angemessenen Einsatzes pädagogischer Betreuungspersonen. Grundsätzlich gilt eine Teilnehmer-Betreuer-Relation von fünf zu eins als angemessen. In begründeten Einzelfällen kann von dieser Teilnehmer-Betreuer-Relation abgewichen werden. Es obliegt den Trägern, die erforderliche Betreuung während der Maßnahme zu gewährleisten.

Kommentierung

Als angemessenes Betreuungsverhältnis gilt, wenn ein*e Betreuer*in fünf Teilnehmende betreut. Dabei werden nur die Teilnehmenden gezählt, die im Veranstaltungsjahr mindestens sechs Jahre und noch nicht 27 Jahre alt sind (Jahrgang).

Eine Teilnehmer-Betreuer-Relation von weniger als fünf zu eins ist nur in Einzelfällen bis zu einer Gesamt- Teilnehmer-Betreuer- -Relation von zwei zu eins förderfähig. Dazu müssen die Zusammensetzung der Gruppe oder einzelne Teilnehmende einen höheren Betreuungsaufwand rechtfertigen und muss schriftlich begründet werden. Dies kann z.B. bei einer Gruppe von Teilnehmende mit besonderem Betreungsbedarfen und/oder bei psychischen und physischen Einschränkungen von Teilnehmenden der Falls sein.

Betreuer*innen müssen mindestens im Umfang einer Juleica-Ausbildung oder einer vergleichbaren Ausbildung qualifiziert sein.

Der Einsatz von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen des Trägers einer Jugenderholungsmaßnahme wird gefördert, sofern ihre*seine Stelle nicht bereits aus dem Bildungsreferent*innen-Programm gefördert wird.

2.1.2 Der Zuschuss wird als Festbetrag gewährt und beträgt je Tag und Betreuungsperson bis zu 25 Euro. Mit der Gewährung des Festbetrags sind auch die Aufwendungen des Trägers für Jugenderholungseinrichtungen wie die Beschaffung und Reparatur von Zeltlagerausstattungen oder die Ausstattung und Sanierung von Jugendzeltplätzen abgedeckt. Für diesen Zweck dürfen Rücklagen gebildet werden. Der Zuführungsbetrag darf ein Viertel des Zuschusses nicht übersteigen.

Kommentierung

Für den Festbetragszuschuss muss der Einsatz der Betreuungspersonen als Leistungserbringung nachgewiesen werden. Ein Kostennachweis erfolgt nicht.

Betreuer*innen müssen mindestens im Umfang einer Juleica-Ausbildung oder einer vergleichbaren Ausbildung qualifiziert sein.

Der Einsatz von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen des Trägers einer Jugenderholungsmaßnahme wird gefördert, sofern ihre*seine Stelle nicht bereits aus dem Bildungsreferent*innen-Programm gefördert wird.

Der Festbetragszuschuss kann auch zur Bildung von Rücklagen verwendet werden, damit daraus Jugendzeltplätze, Zelte und Lagerausstattung finanziert werden können. Vom jährlichen Gesamtzuschuss eines Trägers darf höchstens einen Anteil von 25% den Rücklagen zugeführt werden.

2.1.3 Voraussetzungen der Zuschussgewährung sind, dass
2.1.3.1 die Betreuungspersonen für ihren Einsatz mindestens im Umfang einer Juleica-Ausbildung oder einer vergleichbaren Ausbildung qualifiziert sind,

Kommentierung

Der Nachweis kann in Form der Juleica-Nummer erfolgen. Andernfalls sind Unterlagen zur fachlichen Eignung aufzubewahren.

Betreuerinnen und Betreuer sind für ihren Einsatz bei Jugenderholungsmaßnahmen qualifiziert, wenn sie

  • eine mindestens 30 Stunden (á 60 Minuten) umfassende ehrenamtliche Grundausbildung in der Kinder- und Jugendarbeit absolviert haben. (Berufsausbildungen und Studienabschlüsse mit pädagogischer Ausrichtung erfüllen die Voraussetzungen)
  • Die Grundausbildung umfasst mindestens folgende Inhalte:
    • Ziele, Methoden und Aufgaben der Jugendarbeit
      • SGB VIII, §11 - Kinder und Jugendarbeit
      • ..
      • ..
    • Rechts- und Organisationsfragen der Jugendarbeit
      • Aufsichtspflicht
      • Jugendschutzgesetz
    • psychologische und pädagogische Grundlagen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
      • Gruppenpädagogik
      • Führungsstile
      • Entwicklungsstufen im Kinder- und Jugendalter
    • Gefährdungstatbestände des Jugendalters und Fragen des Kinder- und Jugendschutzes
      • Prävention sexualisierte Gewalt
  • an einem einen auf die Zielgruppe abgestimmten Erste-Hilfe-Kurs (mind. 7,5 Stunden – Sofortmaßnahmen am Unfallort) von einem lizenzierten Träger teilgenommen haben.
  • Die Ausbildung kann durch webbasierte Lehr- und Lernformate erfolgen (entsprechend 3.4 der VwV bis zu einem Drittel des Ausbildungsumfangs).
  • Die Betreuer*innen sollen sich in regelmäßigen Abständen in den aufgeführten Mindestinhalten fortbilden.

2.1.3.2 die Jugenderholungsmaßnahme mindestens vier ganze Tage dauert, wobei die Zuwendung höchstens für 21 Tage gewährt wird.

Kommentierung

Die Jugenderholungsmaßnahme muss an mindestens vier aufeinander folgenden Tagen stattfinden. Dabei muss keine Übernachtung angeboten werden (z.B. Stadtranderholung, Spielstadt, Waldheim)

Ein ganzer Tag muss mindestens einen Umfang von 5 Stunden Betreuungszeit umfassen.

Der An- und Abreisetag wird jeweils als ganzer Tag gezählt.

2.2. Förderung der Teilnahme finanziell schwächer Gestellter bei Jugenderholungsmaßnahmen

2.2.1 Teilnehmende an Jugenderholungsmaßnahmen nach Nummer 2 aus finanziell schwächer gestellten Familien werden sowohl durch einen Zuschuss des Landes als auch durch einen Beitrag des anerkannten freien Trägers unterstützt.

Kommentierung

Es gibt keinen Maßstab für die Feststellung, ob Teilnehmende an einer Jugenderholungsmaßnahme aus einer finanziell schwächer gestellten Familie kommen. Jede*r, die*der dem Maßnahmenträger gegenüber versichert, aus einer finanziell schwächer gestellten Familie zukommen, kann gefördert werden. Für den Träger bedeutet dies, dass er neben dem Zuschuss des Landes die*den Teilnehmenden mit einem eigenen Beitrag unterstützen muss. Zur Beurteilung können folgende Anhaltspunkte dienen:

  • Anspruchsberechtigung auf das Bildungs- und Teilhabepaket
  • Berechtigung für kommunal geregelte Familiencards
  • Bezug von Harz 4-Leistungen

2.2.2 Der Zuschuss wird auf Antrag durch das zuständige Regierungspräsidium als Festbetrag gewährt und beträgt bis zu 25 Euro je Tag und Person. Der Zuschuss wird an den Träger der Jugenderholungsmaßnahme ausgezahlt und ist von diesem in Form einer Reduzierung des Teilnahmebeitrags in Höhe des Zuschusses an die Teilnehmenden aus finanziell schwächer gestellten Familien weiterzugeben.

Kommentierung

Die Nachweisführung erfolgt als Gesamtzahl der reduzierten Teilnahmebeiträge je Maßnahme.

2.2.3 Die Gewährung der Zuwendung setzt voraus, dass auch der Träger einen angemessenen eigenen Beitrag zur Unterstützung der oder des Teilnehmenden erbringt.

Kommentierung

Der Träger muss seinen Beitrag nicht in finanzieller Form erbringen. Er kann auch Sach- und Dienstleistungen umfassen. Finanziell einbringbar ist er auch in Form von Drittmitteln. Angemessen ist ein Anteil ab 10% des Zuschusses.

Beispiel: Maßnahme kostet 200 Euro. Schwächer gestellte erhalten eine Reduzierung um 10%. D.h. bezahlen 180 Euro. Dieser Betrag kann über Zuschüsse abgegolten werden.

2.2.4 Die Anträge sollen in Abweichung von Nummer 1.6.3 mindestens zwei Wochen vor Beginn der Maßnahme der Bewilligungsbehörde vorliegen.

Kommentierung

Verbandszentralen können einen Gesamtantrag stellen.